Pörnbach Contemporary: ein Ausflug zur Kunst in die Holledau

Schneewittchen, Performance, Pörnbach, Toerring

Internationale Kunst gehört in der bayerischen Provinz längst nicht zum Alltag. Daher sollte man die Gelegenheit zu einem Besuch nutzen.

Schloss Pörnbach ist der Sitz der Grafen Töring in der malerischen Landschaft der Holledau, nördlich von München gelegen. Folgerichtig sind die Grafen bekannt für gutes Bier und mittlerweile auch für wohlschmeckenden Spargel. Die Schlossherrin ist allerdings ausgebildete Künstlerin, an den Akademien in St. Petersburg und Paris. Das führt dazu, dass alle paar Jahre ausgezeichnete Werke ins Schloss finden, auch aus der Münchner Akademie.

Thomas Breitenfeld, Skulptur Holz, Akademie München, Pörnbach Contemporary
Thomas Breitenfeld

Die Edition 2018 von Pörnbach Contemporary huldigt dem Märchen. Die grausame Seite der Fairy Tales war denn auch zur Eröffnung zu sehen: Ein leibhaftiges Schneewittchen im Glassarg.“Anatomy of a Fairy Tale“ lautete der Titel der internationalen Sommer-Ausstellung.

Denis Prasolov, gegossene Jagdttrophäe, Schwarzes Einhorn, Pörnbach Contemporary
Denis Prasolov

Das historische Schloss wurde, wie das eben so ist, im Laufe der Jahrhunderte mehrfach aus internationalen Gründen zerstört, aber immer wieder aufgebaut. Die geräumige barocke Empfangshalle bot den richten Rahmen für die imposante Holzskulptur von Thomas Breitenfeld (Akademie München). Daneben, in der Tradition der Jagdtrophäen, scheinbar die Haut eines erlegten Tieres. Doch keine Sorge, hier wurde keinem Bambi das Fell über die Ohren gezogen. Dieses Fell wurde vom vielseitigen Künstler Prasolov in Kunstfaser hingegossen.

Ölmalerei zeitgenössisch Pörnbach Contemporary Gräfin Toerring-Jettenbach
Natacha Ivanova

Das Obergeschoss, ganz im typischen Weiß des Galerieraums. Hier zeigte man in klassischer Tradition Malerei und Skulptur, unter anderem Ölbilder von Natacha Ivanova, der Gastgeberin.

Pörnbach Contemporary, Denis Prasolov, Bronze
Denis Prasolov

Daneben Skulpturen wieder von Denis Prasolov aus seinem Projekt Parthogenesis, kleine Phantasiegestalten, zarte Wesen und doch in stabile Bronze gegossen. Eine wunderbare Illustration des märchenhaften Ausstellungsthemas.

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Max Weisthoff

Das angrenzende Wirtschaftsgebäude wurde aufwändig umgebaut. Unten gibt es  gibt es in den ehemaligen Garagen zunächst einen wildgewordenen Knoten aus Kautschuk zu beobachten. Das Werk von Max Weisthoff,  Akademie München, Gewinner des Art of Engineering Preises der Messe Hannover zieht an. Es wütet in permanenter Drehung und formt sich immer wieder neu.

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François Réau

Nebenan zeigte François Réau die poetische Schönheit existenzieller Dramen. Eine Installation aus dem zarten Geäst eines entwurzelten Baums im einem Regen aus Patronen. Das Leben ist sehr verletzlich und ach so vergänglich.

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Wunderkammer

In Scheune und Dachboden lädt eine unscheinbare steile Treppe wie in Kindertagen zur Entdeckungsreise. Die Dunkelheit erhält die Spannung, nur durch kleine Spots unterbrochen. Ins Licht gesetzt: Werke wie aus einer Wunderkammer. In deren Tradition sammelte so mancher Schlossherr Künstlerisches, Besonderes und Abstruses.

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Natacha Ivanova

Wunderkammern erfreuten sich in der Renaissance großer Beliebtheit. Ähnlich wie heute war die damals bekannte Welt im völligen Umbruch. Durch neue Erfindungen und einen ausgedehnten Welthandel waren die Menschen plötzlich mit völlig Unbekanntem konfrontiert. Alte Regeln brachen zusammen, neue mussten etabliert werden. In der Folge entstand eine Produktion, die sich erstmals ausgefeilter Maschinen bediente. Der kulturelle Umbruch führte zu einem regen Interesse an der Natur, ihren Erscheinungen, Wertvolles ebenso wie Seltenes und Wundersames.

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Jakob Wanninger

Das Gruseln des Märchens liess die Performance der Künstlerin Olya Kroytor während der Vernissage aufleben: Sie legte sich mit ihrer strahlend weißen Haut nur bedeckt von ihrem langen dunklen Haar in eine Grube mit Glasdeckel (s. Titelbild). Die meiste Zeit war dieses Schneewittchen stilecht von einer Schar von „Zwergen“ umringt,  eine quicklebendige Kinderschar leistete der schlafenden Schönheit Gesellschaft.

Seit 2015 bietet Pörnbach Contemporary eine Sommerausstellung zur zeitgenössische Kunst. Eingeschworene Fans pilgern zu jeder Edition ins Hopfenanbaugebiet.

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Stephan Bentzel

Pörnbach Contemporary
Schloss Pörnbach, Schlossplatz 1, 85309 Pörnbach
Noch bis 30. September 2018
Eintritt frei, Anmeldung unter info@pornbach-contemporary.com
Akademieverein zur Förderung der Akademie der bildenden Künste München
Galerie Dina Renninger

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