Venedig: Identität, eine nationale Kategorie?

In Zeiten in denen sich so vieles vermischt, in denen nicht nur Produkte, Techniken und Wissen so ziemlich überall schnell, leicht und weitgehend gleich verfügbar sind, sondern auch die Menschen von einer Kultur in die nächste wandern, oftmals weil sie müssen, stellen sich viele der national ausgewählten Künstler offensichtlich die Frage, woher komme ich, was sind eigentlich meine eigenen Wurzeln oder die des Landes in dem ich lebe, was hat das mit mir als Individuum zu tun, was bedeutet die Vergangenheit eines Ortes für meine, unsere Zukunft als Menschen?

Im finnischen Pavillon

Finland lässt die erste Silbe des Ländernamens gleich mal grün überwuchern. Als Bezeichnung bleibt also nur das Grün und Land. Ausgestellt werden entsprechend Arbeiten eines Kollektivs, das als anational bezeichnet wir. Gezeigt werden Stücke wie traditionell geschnitzte Stäbe, die durchaus für eine bestimmte Region sehr typisch sein könnten. Doch andererseits könnte diese Region sowohl im Engadin wie auch im Gastgeberland oder sonst wo auf der Welt liegen und jahrhundertealte Traditionen zeigen. Viele Formen und durchaus alte Arbeitsweisen können also sowohl als Hinweis für eine universelle Kultur verstanden werden, wie auf exakt verortbare Kultur. Überlieferte Traditionen scheinen auch dann etwas typisch haben zu können, wenn sie mehrfach vorkommen. Ganz dem Standverkäufer-Spruch „same-same but different“ folgend.

Cosmo Eggs, der japanische Beitrag

Der japanische Pavillon erzählt die Saga der „Cosmo Eggs“, Steine die von Sagengestalten wie Eier in die Landschaft gelegt wurden und an die menschliche Koexistenz mit der Natur erinnern sollen. Denn ohne unsere Umwelt sind auch wir nicht lebensfähig.

Siedler sind die Basis der USA

Die Entscheidung zur Ausstellung im amerikanischen Pavillon wurde von den nationalen Behörden erst recht spät getroffen. Die Wahl fiel auf Marin Puryear Der Afroamerikaner zeigt Symbole der frühen Siedlerkultur. Zunächst scheint er damit zunächst auf die Historie eines eher weißen Amerikas zu verweisen. Doch genau genommen zeigt er die Geschichte Amerikas als ureigenstes Einwanderungsland.

Canada – Publicity by Art

Der kanadische Pavillon informiert mit „My Father´s Land“ darüber, dass eine Landschaft, vormals Inuit-Siedlungsgebiet und heute ökologisch bedeutsam, von Baumassnahmen und Supertankern bedroht ist. Die Tradition der Ureinwohner kennt in erster Linie mündliche Überlieferungen. So behilft man sich mit Videos und Landkarten. Eigentlich hat das mehr mit Dokumentation als mit bildender Kunst zu tun. Im brasilianischen Pavillon sieht man die eigene Identität (mal wieder) im Tanz, per Video vermittelt. Nicht jedem erschliesst auf Anhieb wo hier die besondere künstlerische Note geblieben ist.

Schweiz – ein ungewöhnlicher Beitrag

Der Beitrag im Schweizer Pavillon überrascht. Ein mitreissendes Musikvideo mit internationaler Beteiligung. Es geht ums Rückwärtsgehen um so vorwärts zu kommen. Das kleine Land von der EU umgebene Land zeigt sich hier überraschend dynamisch, tolerant und zukunftsorientiert. Denn in einem Brief an den Besucher wird klar, obwohl national finanziert drücken hier Künstler eigene kritische Positionen aus. Pauline Boudry und Renate Lorenz, www.boudry-lorenz.de

Indien: We Together, GR Iranna
Der Strom der Padukas

Im Pavillon der riesigen Nation Indien zeigt eine lange Reihe von Holzpantinen einen Marsch vieler, sehr unterschiedlicher Menschen in die gleiche Richtung. Das Werk „We Together“ von GR Iranna besteht aus einer ganzen Armada sogenannter Padukas, sehr einfachen Holzsandalen. Da sie nicht aus Leder sind, kann man sie auch als ein friedliches Symbol verstehen.

Dazu passt der gemeinsamen Gang sehr unterschiedlicher Menschen nebeneinander. Jede Sandale individuell anders, denn sie trägt charakteristische Symbole für den vermeintlichen Träger, sei er nun Poet, Arzt, Händler oder Musiker. Ganz kleine Schuhe sind neben solchen zu sehen, die mit einem Stift auf einen Schreiber verweisen oder mit einem Instrument auf einen Musiker. In einer langen Reihe formen die hölzernen Sohlen einen Mega-Footprint. www.irannagr.com

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