Wenn aus Stühlen Kunst wird – beim Schwabinger Künstler Betz

Skulptur, Holz, Bernhard Betz, Akademie München

Wäre Bernhard Betz ein Fan von Marcel Duchamp würde er die von ihm gefundenen Stühle einfach zu Kunst erklären. Doch Herr Betz macht sich deutlich mehr Arbeit und das lohnt sich vor allem für den Betrachter.

Duchamps Readymade: ein Flaschentrockner

Duchamp war der Erfinder des Readymades, also von Objekten, die dadurch zu Kunstwerken wurden, dass ein Künstler sie dazu erklärt hat und dies meist durch Signatur bestätigt.
Bernhard Betz ist ein Künstler, der Hand anlegt und sein Handwerk als Schreiner gelernt hat. Sein Ausgangspunkt sind Dinge, denen man ansieht, wie sie ihre Aufgaben im Alltag erfüllt haben. Hat ein Stuhl als Sitzmöbel oder ein Stock als Gehhilfe seinen Job gut gemacht, dann sieht man ihm das auch an. Die Spuren auf dem Holz zeigen, wo und wie er gedient, geholfen hat. Und die abgenutzten Stellen sprechen auch von den menschlichen Benutzern. Wo und wie lag ein Stück in der Hand. Die Schrammen und Kratzer auf einem abgewetzten Stuhl lassen ihn zu einem Stück Erinnerung werden, einem Objekt das Geschichten erzählen kann, gerade von seinen Besitzern.

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Rekonstruktionen

Der Bildhauer Bernhard Betz nimmt sich dieser ausgedienten Stücke aus dem Alltag auf besondere Weise an. Er sammelt Stühle, Stöcke oder Skier. Er hat ein ganzes Lager davon. Immer wieder nimmt er sich dann einen vor. Der wird dann akribisch auseinander genommen. Aus den so gewonnenen Einzelteilen macht Betz dann etwas ganz Neues, eine ziemlich spannende abstrakte Skulptur, die trotzdem viel von der realen Welt erzählt.

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Chinesische Schlittenfahrt

Aus den freigelegten Einzelteilen der abgelegten Stühle entstehen raumgreifende Skulpturen. Manche wirken ein bisschen wie Insekten oder exotische Tiere. Er nennt sie Rekonstruktionen und manche mögen durchaus an Skulpturen des russischen Konstruktivismus erinnern. Schliesslich war Bernhard Betz nach seiner Bildhauerlehre Meisterschüler der Akademie München, unter anderem beim dänischen Bildhauer Robert Jacobsen.

Skulptur, Holz, Betz, Akademie München

Seinen „Hacklstecka“, kleinen Skulpturen aus Gehstöcken, haftet etwas Besonderes an. Eine Gehhilfe hat ja an sich schon etwas Gebrechliches. Betz zerknüllt sie auch noch regelrecht, wenn er sie auseinandersägt und dann nahtlos zu einer kubistischen Skulptur zusammenfügt.

Skulptur, Holz, weiß, Betz, Akademie München

Manche sind weiß, andere haben besondere Verzierungen. Schon will man sich den ehemaligen Besitzer vorstellen. Beim Versuch der Linie des Stocks mit dem Auge zu folgen, muss man mehrmals um die Ecke biegen. Man muss Umwegen wie Umleitungen nachgehen. Das erinnert unweigerlich daran, dass Lebenswege nicht schnurgerade verlaufen.

Skulptur, Holz, verziert, Betz, Akademie MünchenWer kennt das nicht, da geht es mal kreuz, mal quer, dann wieder zurück und dann merkt man, man hat sich doch nur im Kreis gedreht. Wie gut dass, Bernhard Betz nicht nur Künstler, sondern auch ein ausgezeichneter Schreiner ist. Denn die perfekte Verarbeitung der Rohstoffe  ist Teil der Faszination, die von seinen kantigen Skulpturen ausgeht.

Betz gelingt eine spannende Kombination. Die erinnerungsbeladenen Einzelteile werden zu Einzelformen, die den Künstler zu seinen Skulpturen inspirieren. Seine Werke tragen noch die Geschichte ihrer Einzelteile in sich und haben dennoch ganz klar eine völlig neue Aussage. Dabei kommt die Ästhetik nicht zu kurz. Die Objekte sind ausgewogen, in sich stimmig. Es scheint fast, als liesse Betz die Grundformen der von ihm auseinander genommen Alltagsgegenstände nun endlich frei sprechen. Das asiatische Dekor einer Stuhllehne darf frei von seiner dienenden Funktion zeigen wie schön es gearbeitet wurde. Der Künstler arbeitet mitten in Schwabing. Ein Besuch, mindestens auf der Website lohnt sich.

Bernhard Betz, Hohenzollernstr. 16, 80801 München
www.bernhardbetz.de

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